Infrastrukturellen Perpetuum mobile ausschlieben zu konnen

Vollkommen unbeachtet in der Energiewende sind die laufenden Projekte zur Kernfusion. Unabhangig vom gewahlten Fusionskonzept mit magnetischem Einschluss oder Tragheitsein – schluss (Abschn. 8) wird auch mit derartigen Fusionsreaktoren letztlich nur niederwertige Warmeenergie freigesetzt. Die Umwandlung dieser niederwertigen Warmeenergie in Strom mit Hilfe eines thermodynamischen Prozesses erscheint gerade in der Verbindung mit Kern­fusion als besonders antiquiert. Der Fusionsprozess selbst befindet sich nach wie vor in der physikalischen Erprobungsphase, und es wird sich erst in einigen Jahrzehnten zeigen, ob mit dieser neuen Technologie ein energiewirtschaftlicher Beitrag geleistet werden kann.

Die ersten Mondlandungen haben ihre Schatten auf die Fusionsforschung geworfen. Der Grund ist die Entdeckung des Helium-3 Isotops, das auf dem Mond in so groben Mengen zu finden ist, dass eine Kernfusion auf Basis dieses Isotops auf der Erde moglich erscheint. Da im Gegensatz zur Fusion von Deuterium mit Tritium keine Neutronen, sondern Protonen freigesetzt werden, konnte mit diesen Ladungstragern eine direkte Stromerzeugung realisiert werden, so dass kein thermodynamischer Zwischenprozess benotigt wird. Auberdem wurde durch die Fusion mit Helium-3 ein Betrieb nahezu ohne radioaktive Belastung fur die Umge- bung und ohne Kontamination der Reaktorbauteile durch Neutronen moglich.

Immerhin hat der sich entwickelnde Mythos um das Mond Helium-3 Isotop und anderer Stoffe wie Uran, Thorium, … und Seltene Erden, die sich ebenso auch auf den anderen Pla – neten unseres Sonnensystems finden lassen, den Blick fur die Energieversorgung von der Erde auf das uns umgebende Universum gelenkt (Bild 16.5) und dabei neue Aktivitaten zu weiteren Mondflugen und dessen Besiedelung ausgelost.

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Bild 16.5 Mond zur Versorgung mit Kernbrennstoffen und andere Materialien

In diesem Zusammenhang konnen auch die aktuellen Aktivitaten zum Mars gesehen werden, hinter denen sich die Absicht verbirgt, in den 2030er Jahren nach einigen weiteren Vorberei – tungen die ersten Menschen auf dem Mars landen zu lassen (Bild 16.6).

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Bild 16.6 Mars insgesamt und im Detail mit zwei Meteoreinschlagkratern

Die bei den letzten beiden Missionen eingesetzten Roboter Opportunity (2004) und Curiosity (2012) zur Erkundung des Mars, zur Registrierung nutzbarer Rohstoffe und zur Vorbereitung der Landung der ersten Menschen auf dem Planeten zeigt Bild 16.7.

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“Opportunity” “Curiosity”

mit solarem Antrieb mit nuklearem Antrieb

Bild 16.7 Mars-Roboter Opportunity und Curiosity

Der Mars-Roboter Opportunity ist mit Solarzellen zum Aufladen der Batterien ausgestattet und damit abhangig vom zeitlich variierenden Sonnenstand, von Beschattungen und meteoro – logischen Einflussen wie Sandsturmen. Durch diese Effekte wird die Nutzbarkeit von Oppor­tunity eingeschrankt. Zur Vermeidung derartig nicht planbarer Pausen ist der neue Marsrobo – ter Curiosity mit einer Radionuklidbatterie ausgestattet. Die entstehende Warmeenergie, wel – che durch den naturlichen radioaktiven Zerfall des verwendeten Radionuklids Plutonium entsteht, wird mit Hilfe eines thermoelektrischen Wandlers direkt ohne jegliche Maschinerie in elektrische Energie umgesetzt. Etwa Erkundungen in nicht hinreichend ausgeleuchteten Gebieten sind nur mit nuklear betriebenen Systemen moglich.

Der technologische Weg in die Energiezukunft sollte sich nicht ausschlieblich an kurzfristi – gen Strategien orientieren, da diese oftmals Moden, Ideologien sowie politisch mit monetar gekoppelten Interessen unterworfen sind. Es sind Langzeitperspektiven in die Betrachtung einzubeziehen, welche die endliche Dauer des Lebensraums Erde beachten und das dauerhaf – te Uberleben der Menschheit mit der Entwicklung einer Raumfahrt zwingend verknupfen. Auch aus dieser Perspektive erscheint der Verzicht auf die Kerntechnik einfach toricht. Wenngleich die gegenwartige Kerntechnik mittelfristig durch neue Entwicklungen zu substi – tuieren ist, sollte die grundsatzliche Existenz einer kunftigen Kernenergienutzung auch zur Nutzung in der Raumfahrt nicht in Frage gestellt werden, da damit auch die Existenz der Menschheit verknupft ist.

Auf der Erde ist neuerdings ein Wettlauf um neue Energiequellen ausgebrochen. Dabei sollen nukleare Effekte bei Raumtemperatur genutzt werden. Die bei den Experimenten (Bild 16.8) von Martin Fleischmann und Stanley Pons verwendeten Geratschaften erinnern an die Laboreinrichtungen von Otto Hahn und Lise Meitner, mit denen diese die Kernspaltung ent – deckten.

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Martin Fleischmann und Stanley Pons (1989) Otto Hahn und Lise Meitner (1938)

Bild 16.8 Einfachste Geratschaften zum Aufspuren der die Welt verandernden Erkenntnisse

Bei einem einfachen Elektrolyseexperiment zur Spaltung von schwerem Wasser kam es an der verwendeten Palladium-Kathode zu einer signifikanten Warmeentwicklung, die nicht durch chemische Prozesse erklart werden konnte. Fleischmann und Pons vermuteten deshalb, dass ein nuklearer Prozess die Ursache sei, um auf einfache Weise aus schwerem Wasser Energie freisetzen zu konnen. Dieser Prozess wird “Kalte Fusion“ genannt.

Mittlerweile sind weitere Experimente dieser Art bekannt geworden. So soll bei einem von Antonio Rossi und Sergio Focardi durchgefuhrten Nickel-Wasserstoff-Prozess ebenfalls Warmeenergie in einer Grobenordnung freigesetzt werden, die nicht durch chemische Reak – tionen erklarbar ist (Bild 16.9).

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Bild 16.9 Nickel-Wasserstoff-Experimente mit atomaren Prozessen bei geringer Temperatur

Einziger Erklarungsausweg ist derzeit, dass Umwandlungen auf atomarer Ebene eine Rolle spielen, die bisher aber noch nicht hinreichend erklarbar sind. Da diese atomaren Prozesse nicht fusionsartig im Sinne einer irdischen Sonnenfusion sind, spricht man im internationalen Sprachgebrauch von nuklearen Reaktionen bei niedriger Energie (LENR: Low Energy Nu­clear Reactions).

Es gibt eben Dinge, die erst in der Zukunft wissenschaftlich zuganglich sind. Im Sinne von Max Planck heibt dies, dass Dinge, die nicht messbar und nicht reproduzierbar sind, zwar keine Basis fur wissenschaftliche Aussagen sein konnen

“Die Physik verschafft dem sich in sie Vertiefenden eine ganz unmittelbare,
in keiner Weise erzwungene oder erkunstelte,
sondern eine ganz schlichte und einfache,
eben darum wahre Erkenntnis“

dennoch aber alle noch unmessbaren Dinge nicht unwahr sein mussen.

Fur die industrielle Nutzung ist das Verstehen von Effekten und vor allem deren Reprodu – zierbarkeit zwar notwendig aber dennoch nicht hinreichend. In diesem Sinn ist die Welt des Ingenieurs eine Erweiterung der Welt des Naturwissenschaftlers. Dies zeigen uns die unzah – ligen Pseudo-Moglichkeiten zur Stromerzeugung, die immer wieder medial ins Rampenlicht
geruckt werden und trotz physikalischer Machbarkeit dennoch nicht fur industrielle Anwen – dungen geeignet sind und damit technische Illusion bleiben.

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Beispielhaft sei hier etwa Einsteins Trinkende Ente, ein Osmose-Kraftwerk und ein Auf – windkraftwerk betrachtet (Bild 16.10).

Bild 16.10 Physikalisch reale aber dennoch nicht industriell nutzbare Effekte

Einsteins Trinkende Ente entnimmt die Energie zum Wippen um einen festen Drehpunkt aus der Umgebung. Wird der Schnabel zum Start dieser zyklischen Bewegung durch Eintauchen in einen Becher Wasser angefeuchtet, wippt die Ente dann ohne Unterlass hin und her. Der Glaskorper der Ente bestehend aus einem Kopf – und einem Hinterteil ist mit einem niedrig siedenden Medium bei abgesenktem Druck so gefullt, dass das Medium im Volumen des Glaskorpers geordnet durch den Einfluss der Schwerkraft sowohl gasformig als auch flussig vorliegt. Mit der Storung des stationaren Zustands durch Warmeentzug infolge des Eintau – chens des Schnabels in den Wasserbecher und der anschliebenden Verdunstung des Wassers, wird ein Wechselspiel zwischen Kondensieren und Verdampfen im Inneren des Glaskorpers ausgelost. Zum Verdampfen nimmt das System Warmeenergie aus der Umgebung auf. Die mit dem thermodynamischen Prozess verbundenen Verschiebungen des Schwerpunktes um den festen Drehpunkt verursachen die beobachtete zyklische Wippbewegung. Mit diesem Prozess kann das System Ente aus der Umgebung aufgenommene Warmeenergie in mechani – sche Energie umsetzen und ist damit letztendlich nichts anderes als eine Warmekraftmaschi – ne. Trotz der Genialitat dieses nahezu als Perpetuum mobile erscheinenden Systems, ist des – sen industrielle Nutzung abwegig, da der nutzbare Anteil der freigesetzten mechanischen Energie etwa zum Antrieb von elektrischen Generatoren derart gering ist, dass die Anzahl der erforderlichen Systeme zur Deckung des Energiehungers der Menschen mit derartigen Sys – temen alle Vorstellungen ubersteigen wurde.

Ein anderes Beispiel in der Kategorie

physikalisch geeignet aber dennoch industriell fragwurdig ist das Osmose-Kraftwerk.

Der Unterschied im Salzgehalt zwischen SuBwasser und Meerwasser kann mit dem Osmo – seeffekt zur Stromerzeugung ausgenutzt werden, der schon lange bekannt ist und insbesonde- re in der Natur fur die Regulation des Wasserhaushaltes in Pflanzen sorgt. Zur technischen Nutzung dieses Effekts denke man sich einen Teil eines Behalters mit SuBwasser und den anderen Teil mit Salzwasser gefullt, die beide durch eine semipermeable Wand (Membrane) voneinander getrennt sind (Bild 16.10). Durch die Eigenschaft der semipermeablen Membra­ne wird die sich bei fehlender Trennwand einstellende homogene Vermischung des SuB – mit dem Salzwasser verhindert. Es kann nur das SuBwasser und nicht das Salzwasser die Memb­rane durchstromen. Dadurch kommt es zum Druckaufbau im Salzwasserbereich des Behal­ters. Mit dem so unter erhohtem Druck stehenden abflieBenden Mischwasser kann eine Was – serturbine angetrieben werden, die dann uber einen elektrischen Generator Strom erzeugt.

Osmose-Kraftwerke konnen an allen Orten errichtet werden, an denen man SuBwasser aus einem Fluss mit dem Salzwasser aus dem Meer semipermeabel vermischen kann. Die dabei freisetzbare Energie hangt vom jeweils vorliegenden Konzentrationsunterschied und den verfugbaren SuB – und Salzwassermengen ab. Dabei ist zu beachten, dass aus okologischen Grunden einem Fluss nur eine begrenzte Wassermenge entnommen werden darf und auch eine vorhandene Nutzung des Flusses durch Schiffe Prioritat besitzt.

Die Mundungsstandorte der in die Nordsee flieBenden Flusse Elbe, Rhein und Weser sind wegen der topologisch flachen Einmundungen und der damit verbundenen salzgehaltschwa – chenden Gezeitenwirkung ungunstig. Noch ungeeigneter sind die Mundungsstandorte in der Ostsee, die ein Brackwassermeer ist. Deutschland kann deshalb kein Anwendungsland fur Osmosekraftwerke werden. Das erste Osmosekraftwerk wurde in Norwegen gebaut und 2010 als Pilotanlage in Betrieb genommen (Bild 16.11), das unabhangig vom aktuellen Wetter und der Tageszeit Strom erzeugen kann.

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Bild 16.11 Weltweit erstes Osmose-Kraftwerk in Norwegen

Der mit dem Osmoseeffekt erzeugte Strom reicht gerade fur den Betrieb eines im Laborbe- trieb ublichen Tauchsieders. Der gewahlte Standort ist ideal. Das SuBwasser des mundenden Flusses ist dem Salzwasser in der Tiefe eines Fjordes so uberlagert, dass maximale Salzgeh – altunterschiede vorliegen. Sowohl das SuB – als auch das Salzwasser sind am ausgewahlten Standort zudem extrem sauber.

Die Achillesferse auch der Osmosetechnik ist der erforderliche Infrastrukturaufwand. Mit den verwendeten semipermeablen Membranen lassen sich derzeit 3W/m2 erzeugen. Um 1 MW Strom erzeugen zu konnen, mussten Membranen mit der Gesamtoberflache von ca. 330.000 Quadratmeter eingesetzt werden. Um diese sehr groBe Flache kompakt handhaben zu konnen, werden die Membranen aufgewickelt und modulhaft in Rohren angeordnet (Bild 16.12).

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Bild 16.12 Rohrenmodule zur Nutzung des osmotischen Effekts

Der erforderliche Raumbedarf fur diese komprimierte Technik ist dennoch im Vergleich mit anderen Technologien auBerordentlich groB. Der Betrieb der Pilotanlage in Norwegen wird zeigen, welche Standzeiten die Membranen unter den vorliegenden idealen Bedingungen erreichen konnen. Mit Standzeiten von nur wenigen Jahren erhoht sich der Infrastrukturauf­wand nochmals signifikant. Fur die weltweit weniger idealen Standorte trifft dies in ver – scharftem MaBe zu. Osmosekraftwerke werden deshalb technische Illusion bleiben. Okologi – sche Einflusse von Osmose-Kraftwerken, die durch den Eingriff in den Lebensraum an der Schnittstelle zwischen Fluss und Meer entstehen konnen, sind derzeit noch vollkommen unbekannt.

Das okologische Dilemma

klimafreundlich aber nicht umweltfreundlich ist sicherlich auch fur Osmosetechnik zutreffend.

Als letztes Beispiel in der Kategorie

“physikalisch geeignet aber dennoch industriell ungeeignet“

wird das Aufwindkraftwerk betrachtet. Die Idee zur Nutzung von technisch erzeugten freien Konvektionsstromungen zieht immer wieder Erfinder in ihren Bann. Wie in Bild 16.10 skiz – ziert, wird bei einem Aufwindkraftwerk mittels Sonneneinstrahlung die Luft in einem ge – wachshausartigen groben Kollektor erwarmt, die dann durch einen Kamin in der Mitte des Kollektors unter Nutzung des Kamineffekts aufsteigt. Der Kollektor ist in Verbindung mit dem Kamin ein Gerat, mit dem kunstlich Wind erzeugt werden kann. Aus der Bewegungs – energie der im Kamin aufsteigenden warmen Luft kann dann mit Hilfe von horizontal im Kamin angeordneten Windradern ein Teil dieser Energie in mechanische Energie zum An – trieb eines Generators zur Stromerzeugung umgewandelt werden.

So einleuchtend diese Idee zunachst auch sein mag, zeigt eine genauere Betrachtung sofort, dass ein solches System zur Nutzung mechanischer Energie vollkommen ungeeignet ist. Der Grund dafur ist, dass bei einer freien Konvektionsstromung einerseits die Bewegungsenergie der Stromung sehr viel geringer als die von ihr transportierte Warmeenergie ist, andererseits aber nur aus der Bewegungsenergie mechanische Energie gewonnen werden kann. Das Verhaltnis zwischen der nutzbaren mechanischen Energie und der von der Sonne eingestrahl – ten Warmeenergie ist extrem klein und lasst sich selbst mit kilometerhohen Kaminen nicht signifikant steigern. Hinzu kommt, dass der Infrastrukturaufwand fur den Winderzeuger (Kollektor und Kamin) so grab ist, dass ein Aufwindkraftwerk nur eine technische Illusion bleiben kann. Die Erzeugung des Windes sollte man deshalb ohne strukturellen Aufwand und kostenfrei der Natur uberlassen. Letztlich ist der in einem Aufwindkraftwerk kunstlich er – zeugte Wind eine Sekundarwindenergie, die mit der von der Natur zur Verfugung gestellten Primarwindenergie nicht konkurrieren kann [1, 16, 34]. Die in Manzanares (Spanien) im Jahr 1982 in Betrieb gesetzte Pilotanlage wurde 1989 von einem Sturm zerstort und hat bis heute keine realisierten Nachfolgeprojekte gefunden.

Der beispielhaft aufgezeigte Wirrwarr an Ideen und Hoffnungen erfordert eine objektive Beurteilung, um Hirngespinste von real fur die Zukunft der Menschheit uberlebenswichtigen Technologien trennen zu konnen. Um diese Filterwirkung durchfuhren zu konnen, muss die sich auf dem Weg befindliche selbstorganisierende Gesellschaft uber eine hinreichend geisti – ge Selbstandigkeit und nicht nur uber Faktenwissen verfugen.

Der fur die Menschheit zu begrubende sich selbstorganisierende gesellschaftliche Prozess ist nur durch den mit Grobraumflugzeugen zur individuellen Erschliebung des weltweiten Rei- severkehrs und den Bau der Computer moglich geworden. So wie die Rakete V2 in Peenemunde als reines Kriegsinstrument uberraschenderweise der Schlussel fur das Kommu – nikationszeitalter mit der Sattelitentechnik zu Erkundung und Uberwachung der Erde und des Betriebs des Global Positioning Systems (GPS) zur globalen Ortsbestimmung wurde, wird jetzt die weltweite Installierung der Computer, die ursprunglich als reine Rechengerate ent – wickelt wurden, zum Schlussel einer sich selbstorganisierenden Weltgesellschaft.

Derartige unvorhersehbare Entwicklungen sind charakteristisch. So wie die Entwicklung der Flugzeuge zu Beginn des 20. Jahrhunderts zugleich der Schlussel fur eine geradezu evolutio – nare Entwicklung der Mathematik war, hat die Diskussion um die Kernenergie letztendlich ganz anders als erwartet eine weltweite Entwicklung von Energietechnologien mit okologi – scher Auspragung ausgelost und damit der Umwelttechnik einen neuen gesellschaftlichen Stellenwert beschert. Dabei sind die menschlichen Opfer nicht zu vergessen, sondern zu wurdigen, ohne die derartige sowohl technologische als auch gesellschaftliche Entwicklun – gen nicht moglich waren und auch zukunftig nicht moglich sein werden.

Derzeitig zu beobachtende Exzesse im Rahmen der Energiewende sind unmittelbare Folgen der mit dem Erneuerbaren Energien Gesetz (EEG) ausgesetzten marktwirtschaftlichen Me – chanismen, durch die das Entstehen eines schmarotzenden oko-industriellen Komplexes gefordert wird. Durch politisch festgelegte und garantierte Einspeise – und Preisgarantien wird von Spekulanten aus reiner Geldgier unter dem Vorwand einer vermeintlichen Klimakata – strophe eine Ubernutzung der Erneuerbaren Energien vorangetrieben, die zu massiven Land – schaftseingriffen fuhrt und die gesamtheitliche Philosophie der Energiewende in Frage stellt. Zur Vermeidung okologischer Exzesse sind Anderungen am Erneuerbaren Energien Gesetz erforderlich.

Der oko-industrielle Komplex grunideologischer Pragung ist aber auch weltweit unterwegs. Hier bedarf es neuer Instrumente, um die Umwelt vor diesen ganz anders gearteten neuen anthropogenen Gefahren zu schutzen, die durch vermeintlich okologische Geschaftemacher verursacht werden, die das Gutmenschentum von Geldanlegern weltweit auszunutzen versu – chen und dazu die Umweltidee missbrauchen (Abschn. 2.5). Letztendlich wirkt derzeit der zuvor durch Ruckwirkungen des gesellschaftlichen Prozesses (Umweltbewegung) okologi- sierte industrielle Prozess unter Missbrauch der okologischen Idee auf den gesellschaftlichen Prozess intensiv und umweltzerstorend zuruck (Bild 16.13).

Infrastrukturellen Perpetuum mobile ausschlieben zu konnen

gesellschaftlicher Prozess

Bild 16. 13 Ruckwirkungen und Missbrauch im Wechselspiel zwischen dem industriellen und dem gesellschaftlichen Prozess

Ohne die Option auf eine CO2-arme Technologie hoherer Leistungsdichte wird es zur unver- meidlichen Ubernutzung der Erneuerbaren Energien mit niedrigen Leistungsdichten und signifikanten Naturzerstorungen oder/und zu einer Verlangerung der Nutzung fossiler Tech – niken mit umweltrelevanten Belastungen kommen.

Langfristig ist ein international anerkannter Strafgerichtshof fur Umweltverbrechen ahnlich dem fur Kriegsverbrechen in Den Haag zu fordern, um den mit der vorbehaltlos zu bejahen – den Umweltidee zugleich entstehenden oko-industriellen Komplex grun-ideologischer Pra­gung von einer weltweiten Umweltzerstorung abhalten zu konnen. Auch Vorstellungen zur militarischen Nutzung von technologisch erzeugten Naturkatastrophen konnten so gesell – schaftlich geachtet werden.

In der heutigen Situation kommt allen

• Naturschutzern angesichts der Monokulturen in der Landwirtschaft

• Umweltschutzern angesichts riesiger Windparks und immer neuer Gewerbegebiete

• und selbst Anti-Atom-Demonstranten vor dem Anblick immer neuer Stromvertei – lermasten und dem Aus – und Neubau von Kohlekraftwerken

der gleiche Gedanke

So haben wir das nicht gewollt

in den Sinn, deren Engagement zum Erreichen einer besseren Umwelt heute von Spekulanten und Geldanlegern missbraucht wird.

Eine neue Okologiebewegung auf einer naturwissenschaftlichen Basis

• mit okologisch objektiven Natur – und Umweltschutzverbanden

• ohne Sektenbildung

• ohne grun-ideologisierte Politiker

• ohne der Gier verfallene Geschaftemacher

die nicht nur den Menschen, sondern die Symbiose Mensch-Natur zum Mah der Dinge macht, kann in der jetzt digitalisierten Welt der Schlussel fur eine neue menschliche Gesell- schaftsform ohne Nationalstaaten mit einer neuen geistigen Freiheit sein, die das Recht auf Erkenntnis gegenuber ideologisch geistigen Verarmungen schutzt. Wie zu Beginn der indust – riellen Gesellschaft kann der so wieder entfesselte menschliche Erfindergeist kreativ und schopferisch zum Wohl der gesamten Gesellschaft wirken. Der bisher insgesamt erfolgreiche industrielle Prozess kann fortgesetzt werden, mit dem allein auch die Schaffung eines neuen extraterrestrischen Lebensraums fur die dauerhafte Bewahrung der Menschheit technologisch erreicht werden kann. Dabei sollte der parallel dazu verlaufende gesellschaftliche Prozess den industriellen Prozess durch Wechselwirkung in moralisch-ethisch vertretbaren Grenzen hal – ten, um eine angemessene Energiekultur erreichen zu konnen, ohne jedoch dabei den Erfin – dergeist wie in Zeiten extremer Technikfeindlichkeit ausloschen zu wollen.

Zur Verhinderung der Ubernutzung der Natur durch Technologien mit niedriger Leistungs – dichte (Abschn. 2.4) und zur Vermeidung gesundheitlicher und klimatologischer Risiken durch die weitere Nutzung fossiler Energietrager (Abschn. 2.3, 16) kann im Rahmen einer sinnvollen Energiewende nicht auf eine CO2-arme Technologie mit hoherer Leistungsdichte verzichtet werden. Ein Beispiel dafur sind inharent sichere modulare Kernreaktoren (Abschn. 4.2, 5.3). Die Grundlage fur derartige Weiterentwicklungen stellt der Hochtemperaturreaktor PM250 dar, welcher nach einer Phase des Nachdenkens nach Fukushima derzeit in China
zunachst zweifach errichtet wird und Thorium als alternativen Brennstoff verwendet (Bild 16.14).

Infrastrukturellen Perpetuum mobile ausschlieben zu konnen

Infrastrukturellen Perpetuum mobile ausschlieben zu konnenThorium (Abschn. 4.3, 7.2, 7.3 )

Bild 16.14 Der Bau der HTR PM250 zur Nutzung von Thorium als Brennstoff in der chinesischen Provinz Shandong

Mit der beispielhaften Weiterentwicklung der HTR-Technik (Abschn. 4.2) kann die Ruck – kehr zur Vernunft eingeleitet werden. Die inharent sichere Kerntechnik ist aus heutiger Sicht der richtige Schritt, der in Verknupfung mit der sich entwickelnden Raumfahrt und einer dann moglichen extraterrestrischen Brennstoffversorgung als langfristige Perspektive fortge – setzt werden kann.

Die weltweite Energieversorgung kann und muss an die lokalen urbanen und industriellen Bedurfnisse gerade im Hinblick auf eine anwachsende menschliche Population nachhaltig angepasst werden. Es muss darum gehen, dezentrale inharent sichere Kernreaktoren so fur den Strom – und Prozesswarmemarkt einzusetzen, dass eine neue Sicherheits – und gesell – schaftliche Akzeptanzkultur erwachsen kann. Eine Neubesinnung, welche den industriellen Prozess zur Erhaltung des Lebens moglichst ohne Armut, Krankheit und Hunger unterstutzt, ist zwingend anzustreben.

Die geniale Nutzung der Energie aus dem Inneren der Materie sollte von der Menschheit unbeirrt weiterverfolgt werden. Mit der Nachahmung der Masse-Energie-Wechselwirkungs – prozesse des Universums lassen sich die Schlussel fur die Technologien der fernen Zukunft finden.

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