Stellenwert der Kernfusion in der Politik

Die Fusionsforschung begann nach dem zweiten Weltkrieg. Insbesondere in den USA wollte man die Kernfusion wie zuvor die Kernspaltung im Rahmen des Manhattan Projekts mit einem ahnlichen Kraftakt moglichst schnell entwickeln und zur Anwendungsreife bringen. Ebenso wie in den USA wurde auch in der UdSSR und England unter strenger Geheimhal – tung an der Entwicklung der Kernfusion gearbeitet. Die zu losenden grundlegenden Probleme wurden schon damals gravierend unterschatzt. Ein schneller Erfolg war unerreichbar. Des – halb wurde unter Verzicht auf die Geheimhaltung jetzt die internationale Zusammenarbeit gesucht. Nach diesem Strategiewechsel stand nicht mehr die Konstruktion eines Reaktors selbst, sondern die Plasmaphysik als Teilproblem der Fusionstechnik im Vordergrund. Ursa – che hierfur war auch, dass bei der Durchfuhrung der Plasmaexperimente Instabilitaten auftra – ten. Mit dem Bau des ITER Experimental-Fusionsreaktors findet wieder eine Ausrichtung hin zur Konstruktion eines kommerziell nutzbaren Reaktors statt. Ob dieser Entwicklungsschritt zur Losung des Problems fuhrt, ist abzuwarten.

Den Erfolg oder Misserfolg mit ITER wird die Nahe zwischen der aktuellen Fusionsfor – schung und dem Ziel eines realen Reaktors auf Fusionsbasis offenbaren. Eine schnelle Reali – sierung von Fusionsreaktoren zur kommerziellen Stromerzeugung gleich welcher Bauart ist auch aus heutiger Sicht nicht zu erwarten und stellt eine Langzeitaufgabe dar.

Da eine inharent sichere Fusionstechnologie nur zeitfern zur Verfugung stehen kann, sollte auf die mittlerweile weltweit gestartete Weiterentwicklung hin zu inharent sicheren Kernspal – tungsreaktoren und deren dezentrale Nutzung auch aus okologischen Grunden nicht verzich – tet werden. Eine uberschnelle Einfuhrung der Fusionstechnik wie im Fall der Kernspaltungs – technik amerikanischen Ursprungs mit Akzeptanzverlust wegen fehlender inharenter Sicher – heit sollte bei der Fusionstechnik auf keinen Fall wiederholt werden. Letztendlich kann heute niemand sagen, ob sich die Fusionstechnik noch im Grundlagenstadium oder schon im Stadi­um der Entwicklung einer Kraftwerkstechnik befindet und ob der derzeit gewahlte Weg (To – kamak und Stellarator) der richtige ist. Vor einer kommerziellen Nutzung mussen alle Si – cherheitsfragen luckenlos geklart und experimented abgesichert sein. Nur eine inharent siche – re Fusionstechnik legitimiert deren Einsatz.

Die Ereignisse in Fukushima und die damit verknupfte Abkehr der deutschen Politik von der Kernspaltung hat auch die Kernfusion in Bedrangnis gebracht. Soll das ursprungliche Ziel Kernfusion noch weiter verfolgt werden? Wird die Kernfusion zukunftig nur noch als Option gesehen?

Noch wissen die meisten Menschen kaum etwas uber die Kernfusion. In der offentlichen Wahrnehmung verschmelzen die Kernspaltung und Kernfusion miteinander und verlieren dabei ihre Identitat. Die Partei Bundnis 90/Die Grunen haben bereits ein Moratorium fur die Fusion gefordert, um mit der medial gepragten Atomangst der Deutschen auch die Entwick – lung der Kernfusion zum Stillstand bringen zu konnen. Zumindest ist die Faszination fur die Kernfusion verschwunden.

Wird wieder eine in die Zukunft fuhrende Hochtechnologie aus populistischen Grunden schon im Keim erstickt? Bleiben faktenbasierte Informationen weiter auf der Strecke? Ist eine verlassliche langerfristige Planung eines tragfahigen Energiekonzeptes in Deutschland uberhaupt noch moglich? Wie kann die muhevoll erreichte Industriegesellschaft erhalten bleiben?

Die alles entscheidende Energiefrage zur Erhaltung des Industriestandortes Deutschland darf nicht den populistischen Agitatoren aus Politik und Journalismus uberlassen werden, die oftmals Hand in Hand eine nahezu beliebige und damit irrationale “Offentliche Meinung“ zelebrieren, mit der sie die demokratischen Strukturen zu eigenen Zwecken missbrauchen konnen.

Eine Ruckkehr zu einer faktenbasierten Ordnung mit dem Burger als Souveran (alle Staats – gewalt geht vom Volke aus: Art. 20, Abs. 2, Grundgesetz) ist unerlasslich. Offensichtlich bedarf es neuer Formen der Demokratie, um die Burger wieder mehrheitlich in die technolo – gische Fortentwicklung einbinden zu konnen, damit eine gemeinsame Basis zur Wahrung und Erhaltung des Industriestandortes Deutschland gefunden werden kann.

Die Zukunftsfahigkeit Deutschlands liegt wie in der Vergangenheit in der Entwicklung von neuen Hochtechnologien, die im Wechselspiel des industriellen mit dem gesellschaftlichen Prozess zu realisieren sind.

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