Reduzierung des Abklingverhaltens der nuklearen Abfalle

Bis der aus dem Reaktor unbehandelt entnommene nukleare Abfall in Form der abgebrannten Brennelemente auf die Radioaktivitat in naturlichen Lagerstatten des Uranerzabbaus abge – klungen ist, vergehen Millionen Jahre (Bild 6.3), die im Widerspruch zu zivilisatorisch ak – zeptierbaren ZeitmaBstaben stehen.

Industrielle Revolution

Zivilisatorisch relevante ZeitmaBstabe in unserer Kultur (Bild 6.7) sind gepragt durch die nachhaltige Existenz gesellschaftlicher Institutionen wie etwa der romisch-katholischen Kir­che in der GroBenordnung von 2000 Jahren, des Islam in der GroBenordnung von 1500 Jah – ren und der spater nach der Reformation hinzugekommenen Protestantischen Kirche in der GroBenordnung von 500 Jahren. Zeitraume, die sich uber Millionen von Jahre erstrecken, sind zivilisatorisch nicht uberschaubar und werden von der Gesellschaft nicht akzeptiert.

Um das Abklingverhalten der bei der Kernspaltung im Reaktor entstandenen hochradioakti – ven Abfalle mit akzeptierbaren zivilisatorischen ZeitmaBstaben in Ubereinstimmung bringen zu konnen, mussen Verfahren zur Behandlung dieser Abfalle entwickelt werden, die ein zeitlich hinreichend schnelles Abklingen der Radioaktivitat bewirken. Dazu mussen insbe – sondere die langlebigen Radionuklide durch geeignete Prozesse aus dem abgebrannten Kern- brennstoff abgetrennt werden, um diese dann in speziellen Anlagen durch Neutronenreaktio – nen (Abschn. 6.2.2) in stabile Produkte oder solche mit kurzer Halbwertszeit uberfuhren zu konnen. An derartigen Verfahren wird weltweit gearbeitet. Mit einer solchen Behandlung konnte das Abklingverhalten hochradioaktiver Abfalle so beschleunigt werden, dass bereits nach einigen hundert Jahren die Radioaktivitat der naturlichen Uranvorkommen erreicht wird. Dies entspricht in der GroBenordnung der Zeit, die seit der Bibelubersetzung durch Luther bis heute vergangen ist. Mit diesem zeitlichen Rahmen (Bild 6.8) kann die Endlage – rung von nuklearen Abfallen legitimiert und akzeptiert werden.

Reduzierung des Abklingverhaltens der nuklearen Abfalle Подпись: Jahre

100 10.000 1.000.000

Bild 6.8 Durch nukleare Abfallbehandlung auf die GroBenordnung zivilisatorischer ZeitmaBstabe reduziertes Abklingverhalten hochradioaktiver Abfalle

Bei dem hierzu erforderlichen Prozess des Abtrennens (Partitioning) und der Neutronenbe- handlung (Transmutation) sind genau wie beim Umgang mit allen radioaktiven Stoffen stets die nukleare Unterkritikalitat und die Abfuhr der anfallenden Nachzerfallswarme sicherzu – stellen, damit es auch im Bereich der nuklearen Entsorgung zu keinen radiologischen uber die naturlichen Strahlungsverhaltnisse signifikant hinausgehenden Belastungen der Umwelt kommen kann.

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