Die Entstehung der Kerntechnik

Die Entdeckung der Kernspaltung durch Otto Hahn (1938) in Berlin und die kernphysikali – sche Erklarung durch Lise Meitner (1939) sollte die Welt verandern. Damit wurde nach lan – ger Zeit ein neuer Effekt zur Bereitstellung von Energie entdeckt. Es wurde eine ganzlich neue Energiequelle von bisher unbekannter Grobenordnung verfugbar. Die Nutzung der im Inneren der Materie verborgenen Energie wurde moglich. Bei der Kernspaltung wird ein Teil der bei diesem Vorgang involvierten Masse nach dem Energie/Masse-Aquivalent von Ein­stein in Energie umgesetzt: E = m c2 = m H

Da der Heizwert der Kerntechnik dem Quadrat der Lichtgeschwindigkeit entspricht, werden selbst bei kleinstem Massenumsatz riesige Energiemengen frei. Weltweit waren alle Natur- wissenschaftler wie elektrisiert. Etwas Neues war geboren, das dem Menschen einen ganz neuen Einblick in die Eigenschaften der Natur erlaubte.

Durch die Machtergreifung der Nationalsozialisten in Deutschland und deren Rassenideolo- gie bedingt mussten die besten Kernphysiker Europas im benachbarten Ausland und in den USA Zuflucht suchen. Nachdem der zweite Weltkrieg voll entbrannt war und die Gefahr nicht ausgeschlossen werden konnte, dass das Hitlerdeutschland diesen neuen Effekt in Form einer Waffe zum Einsatz bringen wurde, kam es in den USA zum Manhattan-Projekt, um schnellstmoglich eine Nuklearwaffe vor allem gegen Deutschland zum Einsatz bringen zu konnen.

Ausgelost durch Einsteins Brief im August 1939 an Prasident Roosevelt beginnt 1942 das Manhattan-Projekt. Der erste Atombombentest findet 1945 statt.

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Bild 3.1 Albert Einstein Erster Atombombentest „Trinity“ (1945)

Damit kam es zur geistigen Verknupfung zwischen der Bombe und der viel spater einsetzen – den friedlichen Nutzung der Kernenergie. Die Angst vor radioaktiver Strahlung haben sich die Deutschen somit kurioserweise selbst gemacht. Das mittlerweile international mit Ger­man-Angst benannte Phanomen ist eine Ruckwirkung des verbrecherischen Hitlerdeutsch – lands selbst.

J. Unger, A. Hurtado, Energie, Okologie und Unvernunft,

DOI 10.1007/978-3-658-01503-9_3, © Springer Fachmedien Wiesbaden 2013

Im Rahmen des Manhattan-Projekts erbrachte Enrico Fermi in Chicago 1942 den Nachweis, dass eine nukleare Kettenreaktion uberhaupt moglich und beherrschbar war. Die hierfur ver – wendete Testanordnung (Bild 3.2) bestand aus zu einem Meiler aufgeschichteten Graphitblo – cken mit Uran und Uranoxid. Die Grobe des Meilers wurde im Experiment modulhaft so lange vergrobert, bis eine Kettenreaktion moglich wurde. Mit Cadmiumstaben zum Einfan – gen der Neutronen, die ins Innere des Meilers hineinragten, wurde sichergestellt, dass der Meiler nicht schon wahrend des Aufbaus aktiv wurde.

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Bild 3.2 Erster Atomreaktor von Enrico Fermi in Chicago

Beim Herausziehen der Cadmiumstabe wurden dann mehr Neutronen produziert, als das Cadmium auffangen konnte. Die Vermehrung der Neutronen wurde mit einem Zahlrohr regis – triert. Die erste nukleare Kettenreaktion im technischen Mabstab war gelungen. Mit diesem geradezu rustikal anmutenden Experiment hatte Fermi einerseits den Weg zur Beschaffung des erforderlichen Materials (238U + Neutron ^ 239Pu) zum Bau der ersten Atombombe ge – zeigt, andererseits damit aber auch die Atomenergie gebandigt, um nach dem Ende des zwei – ten Weltkriegs diese fur die Menschen zum friedlichen Einsatz nutzbar machen zu konnen. Auberdem wurden mit diesem integralen Experiment die kernphysikalischen Vorstellungen bestatigt, dass sich die Natur im Kleinen (Elementarteilchen) ebenso wie im Groben (Univer – sum) verhalt. Das menschliche Wissen wurde so um einen groben Schritt nach vorn erweitert.

Da zur Zeit des geschilderten Experiments noch keine Erfahrungen uber Kettenreaktionen vorlagen, veranlasste Fermi einige Sicherheitsmabnahmen, um eine unkontrollierte Kettenre – aktion sicher verhindern zu konnen, die auch heute im Rahmen der kommerziellen Reaktor – technik noch Anwendung finden. Zusatzlich zu den im Reaktor angeordneten Cadmiumsta – ben gab es zwei zusatzliche Moglichkeiten. Auf einer Plattform uber dem Meiler standen drei Manner, die bereit waren, im Notfall einer eskalierenden Kettenreaktion eine Cadmiumsalz – losung uber den Reaktor zu giefien. Aufierdem konnte ein weiterer Arbeiter im Notfall mit einer Axt ein Seil kappen, an dem ein grofier Cadmiumstab hing, der dann, getrieben durch das Schwerefeld der Erde, ins Innere des Meilers gefallen ware und dort noch verbliebene Neutronen hatte einfangen konnen.

Nachdem Fermi mit seinem Experiment in Chicago die technische Machbarkeit einer atoma – ren Kettenreaktion gezeigt hatte, wurde das Manhattan-Projekt voll in Gang gesetzt. Zeitwei – se arbeiteten uber 300.000 Personen an diesem Projekt. Nur wenige dieser Personen wussten, dass das Projektziel letztendlich die „Bombe“ war.

Fur die Leitung der wissenschaftlichen Forschung und den Zusammenbau der Atombomben errichteten die USA in Los Alamos im US-Bundesstaat New Mexico ausgedehnte Laboranla – gen und Werkstatten. Zweieinhalb Jahre nach dem Test von Fermi war die erste Atombombe fertiggestellt und wurde uberirdisch nahe Los Alamos getestet. Die im „Trinity-Test“ vom 16. Juli 1945 verwendete erste Atombombe der Welt zeigt Bild 3.3.

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Bild 3.3 Die erste Atombombe der Welt

Mit den beiden nachsten fertig gestellten Bomben bombardierte die USA die Stadte Hiroshi­ma (6. August 1945) und Nagasaki (9. August 1945) in Japan. Damit war der zweite Welt – krieg beendet. Deutschland hatte glucklicherweise bereits am 8. Mai 1945 kapituliert.

Mit der ersten Konferenz zur friedlichen Nutzung der Kernenergie "atomic power for peace" im August 1955 in Genf wurde die Nutzung der Kerntechnik 10 Jahre nach Kriegsende fur

zivile volkswirtschaftliche Ziele eingeleitet. Mit Kernreaktoren zur Stromerzeugung und nuklearen Anwendungen in der Medizin und anderen Anwendungsgebieten sollte die Zukunft neu gestaltet werden. Zur Uberwachung aller zukunftigen weltweit nuklear gepragten Tatig – keiten wurde die Internationale Atomenergie-Behorde (IAEO) am 29. Juli 1957 in Wien ge – grundet, einerseits zur Verhinderung der Verbreitung von Atomwaffen, andererseits aber auch zur weltweiten Verbesserung lebenserhaltender Prozesse. Nach der Entdeckung der Radioak – tivitat durch Antoine Henri Becquerel (1896) und deren Erklarung durch Marie und Pierre Curie (1898) lange vor dem Bau der amerikanischen Bombe durch die USA (1945) hatten sich bereits in den 1930er Jahren die Radioisotopentechnik und die Strahlengenetik als neue Arbeitsfelder in den Biowissenschaften herausgebildet. Nachdem es durch die Atombomben – entwicklung moglich geworden war, Strahlenquellen in grower Vielfalt und Menge herzustel – len, konnten diese zu Anwendungen in der Medizintechnik, der Nahrungsmittelherstellung und in der Landwirtschaft genutzt werden.

Der sinnvollen Nutzung der Radioaktivitat und der Entwicklung und Anwendung der noch jungen Atomtechnik waren mit Sicherheit nicht so viele Stolpersteine in den Weg gelegt wor­den, ware diese Entwicklung und Anwendung nicht mit dem Bau der Bombe verknupft ge – wesen. Genau diese Verknupfung mit dem militarischen Komplex ist auch heute noch ein Problem. Ansatze zur Entkopplung dieses Defizits wurden von der Politik und auch den Be – treibern der Kernkraftwerke nicht erkannt, so dass es zu der heute aktuellen „Energiewende“ gekommen ist, die Deutschland in ein Experiment sturzt, dessen Folgen noch offen sind. Der durch das verbrecherische Hitlerdeutschland ausgeloste Bau der Atombombe und die damit auch heute noch gefuhlte German-Angst nuklearer Pragung fuhrt weg von Entwicklungen neuer Hochtechnologien, mit denen Deutschland im Rahmen der Globalisierung als Wissen – schafts – und Industriestandort allein eine Chance besitzt.

Die in der Diskussion stehenden Kernreaktoren zur Stromerzeugung in Deutschland sind letztendlich Kinder des militarischen Komplexes der USA und damit auch Kinder der Bom – be.

Wegen dieser Geburtsschwierigkeiten sollten die vielfaltigen positiven Moglichkeiten aber nicht verteufelt werden, die in der Radioaktivitat und Kernspaltung zur Nutzung der Men – schen stecken. Albert Einstein hat dies 1953 treffend so formuliert:

“Die Entdeckung der nuklearen Kettenreaktion muss ebenso wenig wie jene des
Streichholzes die Zerstorung derMenschheitnach sich ziehen“

Entgegen kirchlichen Agitationen jeglicher Art steht die Atomkraft keinesfalls im Wider- spruch zur Bewahrung der Schopfung. Radioaktive Stoffe sind Stoffe der Schopfung selbst, die im galaktischen Prozess des Universums immer wieder entstehen. Wenn uberhaupt etwas nachhaltig ist, dann ist es dieser galaktische Prozess.

Selbst auf der Erde hat es naturliche Reaktoren gegeben. Im heutigen Aquatorialguinea (Na- turreaktoren von Oklo) sind lange vor Otto Hahn (1938) auf naturliche Weise Kernspaltungen in Gang gekommen. In der Erdrinde war dort die Konzentration von Uran offensichtlich hinreichend grofi und auch Wasser als Moderator vorhanden. Auch die Umwandlung von Uran in Plutonium fand statt. Dadurch wurden einige Tonnen hochaktiver Abfalle produziert, die bis heute im Gestein eingeschlossen blieben. Die Natur hat in Oklo damit sowohl die kernphysikalischen Prozesse in einem Kernkraftwerk als auch die geologische Endlagerung
der dabei entstehenden hochaktiven Abfalle vorgefuhrt, die heute im Rahmen der menschli – chen Kerntechnik nachgeahmt werden. Der Vorwurf von christlichen Aktivisten, dass sich der Mensch mit der Anwendung der Kerntechnik uber die gottliche Schopfung erhebe, ist somit ohne jegliche Substanz. Auch im Fall der Kerntechnik lernen die Menschen von der gottli – chen Schopfung Natur selbst, um deren Eigenschaften zukunftsweisend zum Wohle des menschlichen Kollektivs und dessen Uberlebensfahigkeit anwenden zu konnen, so wie dies auch J. W. von Goethe in seiner Verbundenheit mit der Natur verbal durch

„ Unsere ganze Aufmerksamkeit muss aber darauf ausgerichtet sein,
der Natur ihre Verfahren abzulauschen“

zum Ausdruck gebracht hat.

Jegliche ideologische und auch kirchliche Einmischung in die Wissenschaft fuhrt nur zu Irritationen der Menschen auf ihrem Weg in die Zukunft. Nicht umsonst wurde die Trennung von Kirche und Staat erkampft, der den Staat zur weltanschaulichen Neutralitat verpflichtet. Wir konnen heute im Labor Stoffe untersuchen, die vor Milliarden von Jahren irgendwo im Universum entstanden sind. Die Ergebnisse solcher Untersuchungen sind es, die uns die Sicherheit geben, dass die vom Menschen erkannten Naturgesetze tatsachlich so universell sind, dass diese unabhangig von Ort und Zeit uberall und auch in Zukunft ihre Gultigkeit haben. Diese Sicherheit im Wissen ist letztendlich erforderlich, um neue weiterreichende Schritte gehen zu konnen, wie es etwa Enrico Fermi mit seinem Meilerexperiment zur Kern – spaltung getan hat. Dieser faszinierende Erkenntnisgewinn der Menschheit muss zum Wohl der gesamten Menschen fortgesetzt werden. Dieser Weg darf weder von der Kirche noch vom Staat behindert werden.

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Die angewandten Methoden zur geistigen Behinderung sind an sich nichts Neues. Dazu muss man sich nur an die Auseinandersetzung der Kirche mit Galileo Galilei erinnern. Parallelen hierzu finden sich in der gesamten Geschichte. Wahrheit ist unbeliebt und wird oft als storend empfunden.

Bild 3.4 Galileo Galilei Wahrheit als Stein des AnstoBes

Nachdem Galilei mit dem von ihm entwickelten Fernrohr die vier Monde des Jupiter, die Sonnenflecken und die Ringe des Planeten Saturn entdeckt und vor allem durch seine Be – obachtungen die Berechnungen von Kopernikus und Kepler bestatigen konnte (Erde war entgegen der Lehre des Ptolemaus und der Kirche nicht mehr Mittelpunkt der Welt, Bild 3.4),
wurde er von der Kirche 1633 zum Widerruf der von ihm erkannten Wahrheit gezwungen und zu lebenslangem Hausarrest verurteilt.

Die Ablehnung und Verunglimpfung naturwissenschaftlicher Erkenntnisse und Aussagen sind auch heute allgegenwartig. So auch im Fall der Energiefrage. Durch sowohl verbreitete Fehlinformationen als auch das Zuruckhalten von Erkenntnissen sind in der offentlichen Meinung irreale Vorstellungen uber Chancen, Kosten, Gefahrdungen und Auswirkungen von Energietechniken entstanden. Profiteure dieser Entwicklung sind auch die politischen Partei – en, die diese Entwicklung in Verknupfung mit den Medien durch die verbreiteten Angste als Mittel der Politik mit beangstigendem Erfolg eingesetzt haben.

Hier treten auch die von der Politik drittmittelabhangig gemachten Wissenschaftler und ihre politisch gewollte Verknupfung mit Profiteuren aus dem Investment – und Fondbereich in Erscheinung. Die Glaubwurdigkeit der Wissenschaft wird so immer mehr in Frage gestellt.

So wie die Kirche im Mittelalter mit der von ihr erzeugten Seelenangst durch den Ablasshan – del Geld erpresst hat

„Wenn der Taler in dem Kasten klingt, die Seele aus dem Fegfeuer in den Himmel springt“

wird heute durch den Missbrauch der okologischen Idee und medial fuhlbar gemachter Angs­te mit vermeintlichen Klima – und Nuklearkatastrophen wiederum Geld erpresst

„Ich fuhle mich besser, wenn ich in Windrad – und Solarfonds mein Geld investiere “

das in Deutschland mit Hilfe des EEG eingetrieben wird.

Die Energiewende allein ausgerichtet auf die Erneuerbaren Energien und das Verbot der Kerntechnik als einzig wirklich neue Alternative ist eine geistige Verarmung. Die Freiheit des menschlichen Geistes und die Freiheit von Forschung und Lehre schlechthin werden einge – schrankt. Diese Einschrankung steht im Widerspruch zu den in der Verfassung verbrieften Freiheitsrechten. Einschrankungen insbesondere in der Lehre sind schon heute absehbar. Die Abwanderungen deutscher Ingenieure und Wissenschaftler werden sich verstarken. Die Hochschulen als Zentren fur Innovationen fur die Zukunft werden entwertet.

Nur der Mensch als kreatives Wesen, der die irdische Schopfung ohne Bevormundung und Einschrankung erkundet, die mit dem Universum verknupft ist, kann sich langfristig weiter – entwickeln. Deshalb darf die geistige Freiheit nicht eingeengt werden. Mit einer dauerhaften Einengung wurden wir technologisch zu einem Kollektiv ahnlich der amerikanischen Sekte Amish People verkummern, sinnvolle technologische Weiterentwicklungen ohne jegliche Uberprufung der Moglichkeiten fur die Zukunft strikt ablehnen. Die Politik der Energiewen­de birgt deshalb in sich den Keim der Veranderung der Gesellschaftsform hin zu einem Sek – tendasein [28].

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